Der Baltic Dry Index (BDI) minus 90%? Na und!

25 Dez

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Viele sehen in dem Verfall des BDI ein Warnzeichen für den drohenden Kollaps der Weltwirtschaft. Aus diesem Grunde lohnt es sich eine genauere Betrachtung:

(1) Der Baltic Dry Index (BDI) ist ein seit 1744 täglich in London fixierter Wert, der die Kosten für Reisecharter und Zeittcharter auf 26 Schiffahrtsrouten abbildet.

(2) Da der Index nicht gehandelt, sondern nach den Angaben der Marktteilnehmer aus Daten über zur Verfügung stehenden Schiffslade- und Hafenkapazitäten errechnet wird, unterliegt der BDI keinen Spekulationsschwankungen. Der BDI kann nicht manipuliert werden.

(3) 90% des Welthandels werden über den Seeweg abgewickelt.

Da der BDI die Verschiffungskosten von Rohstoffen, der Vorstufe der Produktion ermittelt, misst er präzise das Volumen des Welthandels auf der Anfangsstufe. Der BDI ist also ein Frühindikator für die Weltwirtschaft.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Baltic_Dry_Index

Verlauf der letzten 23 Jahre:

Von 1985 bis 2002 bewegte sich der BDI in der Regel zwischen 1000 und 2000 Punkten. Kurzfristig tauchte er unter 1000 (1985-87, 1998, 2001, 2002), kurzfristig ging er auch über 2000 (1994, 1995).

2003 schoss der BDI in die Höhe und erreichte am Jahresende 4765 Punkte.

2004: Jahreshöchsstand 6208 Punkte. Am Jahresende 4598.

2005 schwächelte der BDI, sank zwischenzeitlich auf unter 1800 und schloss das Jahr mit 2407.

2006 zog der BDI wieder an und erreichte am Jahresende 4397 Punkte.

2007: historischer Anstieg auf 11039 und immerhin noch 9143 zum Jahresende.

2008 schien der Höhenflug weiterzugehen: Am 20. Mai gab es mit 11793 einen neuen historischen Höchststand. Danach kam der Einbruch. Der BDI erreicht am 5. Dezember mit 663 Punkten den tiefsten Stand seit 1986. Derzeit (24.12.) lieg er auf 774.

Ist der BDI jetzt ein geeigneter Indikator für eine bevorstehende Weltwirtschaftskrise? Ist ein Absturz von über 90% innerhalb von 7 Monaten nicht Ausdruck einer sich anbahnenden Wirtschaftskatastrophe?

Nicht unbedingt: Klammert man die Boomjahre 2003 bis 2007 und das erste Halbjahr 2008 aus, so ergibt sich ein anderes Bild: Der momentane Stand von 774 sieht auch nicht viel schlechter aus als die Tiefsstände von 2002 (882), 2001 (843) und 1999 (777). Statt von einem Einbruch könnte genauso gut auch von einer Normalisierung gesprochen werden.

Fazit: Die Boomjahre sind vorbei und der Welthandel bewegt sich wieder auf dem Niveau von 2002.

Ob sich alleine daraus bereits eine Weltwirtschaftskrise ableitet, ist doch eher fraglich.

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