Messer oder Axt? Das österreichische Verbrechen gibt es wirklich.

16 Mai

Bei der Entscheidung, ob Messer oder doch Axt, entschied sich Reinhard S. für die Axt: Das sei das massivere Werkzeug, sagte er bei seiner Einvernahme und ein solches erstand er am 9. Mai 2008 in einem Geschäft in der Wiener Mariahilferstrasse.

Ab diesem Zeitpunkt stand für ihn die Ausrottung der Familie fest.

Schon Freitag vor Pfingsten nahm er sich ein Mietauto, verbrachte die Feiertage normal mit der Familie, ehe ihm am Dienstag der Augenblick günstig erschien, die kleine Tochter und die Ehefrau mit der Axt zu erschlagen. Er habe immer ein paar Mal auf jedes Opfer eingeschlagen. Sicher ist sicher. Schnell noch die Axt gesäubert, die blutverschmierte Kleidung gegen neue getauscht, beim Arbeitgeber der Frau angerufen, die Frau krankgemeldet und los geht es mit dem Mietauto 170 Kilometer nach Ansfelden. Kurz bei den Eltern vorbeischauen, die Mutter und den Vater mit der Axt erschlagen. Danach wieder penible Reinigung der Axt. Und wieder umziehen, bald sind wir fertig. Eine kurze Fahrt nach Linz noch, der Schwiegervater muss auch noch besucht werden. Kurz die Axt gezückt, ein paar mal draufhauen und der alte Mann ist auch schon tot. Wieder Reinigung, wieder Umziehen und zurück mit dem Mietauto nach Wien.

Ich bin erleichtert, sagte Reinhard S. bei der Einvernahme. Und froh, dass der Plan so gut umzusetzen war. Ich habe richtig gehandelt, sagte Reinhard S., das war die einzige Möglichkeit die Schmach abzuwenden. 300.000 Euro in den Sand gesetzt. Die Existenz der Familie aufs Spiel gesetzt. Ich musste doch handeln!

Die österreichischen Massenmörder und Schwerstverbrecher der letzten Jahre sind offenbar wenig impulsiv und im höchsten Grade analytisch. Ing. Fuchs, Ing. Priklopil, Ing. Fritschl und Mag.? S. hatten sich jeweils einen bösen Plan zurecht gelegt und diesen penibel umgesetzt. Fuchs wollte die Republik erschüttern, einen Regierungswechsel herbeiführen, alles „nichtdeutsche“ in Angst versetzen. Dazu baute er Bomben und Sprengfallen. Priklopil wollte ein Kind einsperren und beherrschen. Er baute einen Bunker, suchte sich sein Opfer, handelte ähnlich wie Fritschl, der im Unterschied dazu sogar noch die Familieoberhauptrolle dazuspielte und sich schon Jahre vor der eigentlichen Tat seinen Bunker mit Subventionen des Landes Niederösterreich errichtete. Fritschl musste sich sein Opfer nicht suchen, er wusste immer wer das Opfer sein würde. In aller Ruhe einen Plan entwickeln und diesen in aller Ruhe und gnadenlos ausführen. Im Gegensatz dazu hat Reinhard S. seinen Plan schneller ausgeführt. Im Unterschied zu den anderen ist seine Tat eine Reaktion auf etwas. In diesem Fall: Geldschulden.

Gemeinsam ist allen Tätern die scheinbare Folgerichtigkeit, mit der sie aus einer verschobenen Realität heraus agiert haben. Und vielleicht ist gerade das typisch österreichisch und kann solange behauptet werden, bis ein künftiger Amokläufer uns dann doch beweist, dass auch die spontane Tat, das spontane Durchdrehen österreichisch sein kann.    

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