James Lovelock: Vision für 2100

31 Jan

Wer der Meinung ist, dass die Klimaänderung/ Klimakatastrophe nicht stattfindet, oder wer glaubt, dass das Klima-Gerede von der Atomindustrie ausgeht, braucht nicht weiterzulesen. Er/ Sie wird sich nur ärgern.

Photo of James E. Lovelock

Ausgerechnet in der deutschsprachigen Ausgabe 2008/1 des Rolling Stone findet sich zwischen Artikeln zu Led Zeppelin und Mink de Ville (nur die älteren werden sich erinnern) eine Abhandlung zu James Lovelock.

James Lovelock (inzwischen 88 Jahre alt) ist einer der einflussreichsten Forscher/ Geister/ Freigeister des 20. Jahrhunderts. Anfang der 1960er Jahre formulierte er die Theorie/ Hypothese Gaia, wonach man die Welt als ein Lebewesen auffassen kann. Viele Wissenschafter sprechen Gaia zwar den Status Theorie/ Hypothese ab und meinen, die Zusammenhänge die Lovelock formuliert, seien zu offensichtlich. Gaia wurde dann vor allem in Esoterik-/ Hippie- und Science-Fiction-Kreisen weiterverbreitet und umgewandelt. Nichtsdestotrotz hatte die Idee auch Einfluss auf die seriöse Wissenschaft.

Die einfache Grundidee von Gaia:

Ein Planet befindet sich in einer Wechselbeziehung mit seinen Bewohnern, die Bewohner verändern (zB) die Zusammensetzung der Atmosphäre (indem sie atmen) und die Atmosphäre verändert die Zusammensetzung der Bewohner (Spezies, die mit den Bedingungen besser zurecht kommen vermehren sich, andere sterben aus).

Zur Illustration erfand Lovelock Daisyworld.

Daisyworld ist eine Computersimulation, in der gezeigt werden soll, dass ein System dazu neigt, einen stabilen Zustand anzustreben.

Ausgangssituation für Daisyworld:

Man stelle sich eine Welt vor, in der es nichts gibt ausser Gänseblümchen (=Daisy). Und diese Gänseblümchen bedecken alle Kontinente. Es gibt schwarze und weisse.

 

Gebe es zunächst 90% weisse und 10% schwarze Gänseblümchen, so wird ziemlich viel Energie in das Weltall zurückgestrahlt und der Planet kühlt ab. Das nun wieder gefällt den schwarzen Gänseblümchen und sie vermehren sich. Ihr Anteil wird grösser. Damit wird nicht mehr soviel Energie abgestrahlt und es wird wieder wärmer. Nach ein paar Phasen der Abkühlung/ Erwärmung stabilisiert sich das System und fortan bleibt alles so wie es ist.

(Was mir an Daisyworld immer komisch vorgekommen ist, ist die Voraussetzung, dass es schwarze Daisys gerne kühl haben und weisse gerne warm. Wenn man das nämlich nicht voraussetzt, passiert sehr schnell folgendes: 90% weisse Daisys lassen den Planeten abkühlen. Das gefällt weder den weissen noch den schwarzen und so wird es immer kälter bis alle Daisys erfroren sind. Aber das nur nebenbei.)

Bis 2004 glaubte James Lovelock noch daran, dass die Erde als System die Fähigkeit zur Selbstregulierung hätte. Neueste Erkenntnisse der Klimatologen liessen ihn fortan daran zweifeln und inzwischen sind seine Visionen für den Planeten eher düster (vorsichtig ausgedrückt):

– bis 2020 werden Dürren und andere extreme Wetterlagen überwiegen

– bis 2040 wird sich die Sahara nach Europa ausgebreitet haben

– 2040 wird Berlin ein Klima wie heute Bagdad haben

– 2040 werden u.a. Peking (Wüste), Miami (gestiegener Meeresspiegel), London (Überflutungen) unbewohnbar

– Hungersnöte werden Millionen Menschen in den Norden treiben und zu politischen Spannungen führen. Ein Krieg China – Russland wird unausweichlich.

– Hunger, Armut, Völkerwanderungen, Epidemien werden unzählige Opfer fordern

– 2100 wird die Erdbevölkerung auf 500 Millionen geschrumpft sein (mehr als minus 90%), von denen die meisten im Norden leben werden (Island, Skandinavien, arktisches Becken, Kanada)

Allen heute angewandten Massnahmen (alternative Energie, Biosprit usw) um das Klima in den Griff zu bekommen erteilt er eine Absage. Das sei nur der Versuch, aus der Situation Kapital zu schlagen.

 

Die Menschheit hat ein ernstes Problem, so Lovelock und obwohl die oben beschriebenen Szenarien IN JEDEM FALL eintreten werden, gebe es „danach“ doch noch eine Chance für den Weiterbestand der Spezies Mensch. Dazu müssten seiner Meinung nach SOFORT folgende Punkte umgesetzt werden:

 

1. Atomenergie: Die einzige Möglichkeit um dauerhaft ausreichend Energie zur Verfügung zu stellen.

2. Meerwasser trinken. Wir brauchen erheblich mehr Entsalzungsanlagen.

3. Planung. Viele Städte/ Länder (Las Vegas, Bangladesh usw) sind dem Untergang geweiht. Rechtzeitig Vorkehrungen treffen, damit die Bewohner umsiedeln können (Infrastruktur!)

4. Geo-Engeneering. Um das Klima zu reparieren. Lovelock schlägt Röhren für die Ozeane vor, damit Tiefen-Plankton nach oben gelangen kann um CO2 abzubauen.

5. Synthetische Nahrung. Wir müssen heraus aus dem natürlichen Nahrungsmittelkreislauf. z.B. Fleischersatz auf Pilzbasis.

 

 

 

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2 Antworten to “James Lovelock: Vision für 2100”

  1. Zwerg Nase Januar 15, 2009 um 2:02 am #

    hm… soviel ich weiss geht das in etwa so:

    annahme/bedingung:
    beide gänseblümchen funktionieren absolut identisch, nur ihre farbe ist verschieden. weiss oder schwarz.

    schwarze körper nehmen mehr/schneller wärme auf, geben sie aber auch schneller wieder ab.

    weisse körper reflektieren das meiste licht, daher geht es länger bis sie sich erwärmen. dafür „speichern“ sie aber die wärme „besser“ als schwarze.

    weil nun aber pflanzen die photosynthese „benutzen“, hat das schwarze blümchen den vorteil, in einer bestimmten zeit mehr wärme aufzunehmen als das weisse. selbst bei ganz wenig licht holt das schwarze blümchen das meiste heraus. drum isses vieleicht verwirrend zu sagen, dass es „kühl“ mag. es ist eher so, dass es dem schwarzen weniger ausmacht wenn’s kühl ist, während das weisse eher mehr wärme braucht um gleich „vital“ zu sein wie das schwarze.

  2. hejio Januar 15, 2009 um 3:16 pm #

    denke auch, dass das die annahme sein muss: identisch aber die schwarzen haben in der photosynthese vorteile.

    in der natur ist das aber vermutlich nicht immer so: vorstellbar sind ja auch „dunkle“ pflanzen die sich vor allem dann stark vermehren, wenn es warm ist. und umgekehrt „helle“ pflanzen, die das kühlere klima, das sie selbst erzeugen super finden und solange zur weiteren verdrängung dunkler pflanzen nutzen, bis sie selbst erfrieren.

    trotzdem nettes modell.

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