Die Geschichte von Poogle

22 Sep

Wenige Jahre vor Beginn des 20. Jahrhunderts hatten die beiden Studenten Larry Brain und John Page eine Idee, die sie in den folgenden Jahrzehnten zu den reichsten und mächtigsten Männern ihrer Zeit machen sollte.

Fasziniert davon, Wissen zu sammeln und dieses Wissens dann gratis anderen Menschen zur Verfügung zu stellen, begannen sie zunächst an ihre Freunde gratis Papier zu verteilen, mit der Auflage, vom darauf Geschriebenen jeweils eine Kopie zu erstellen, und diese Kopie dann an Page & Brain zu schicken.

Aus den so gesammelten Kopien stellten sie dann Zusammenfassungen zu verschiedenen Stichworten her. Diese Stichwortseiten konnten dann von Freunden und Bekannten angefordert werden. Zu jeder auf den Stichwortseiten angegebenen Kurzzusammenfassung gab es sogenannte Links, die dem Leser mitteilten, wo noch weitere Informationen zum Stichwort zu finden sind.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Idee der beiden und es gab viele, die massenhaft Schreibpapier (das zu dieser Zeit sehr teuer war) anzufordern, und noch mehr, die gratis Stichwortseiten anforderten. Das kleine Vermögen, dass Brain von seinem verstorbenen Grossvater geerbt hatte, war bald verbraucht, denn natürlich musste das Papier teuer zugekauft werden. Ausserdem verwendeten die beiden bald ihre gesamte Zeit damit, Stichwortseiten herzustellen.

„Was ist, wenn wir auf die Stichwortseiten Werbung anbringen. Am besten solche, die mit dem Stichwort zutun hat?“

Das äusserte Brain in einem Gespräch am Frühstückstisch und damit war der Ruhm von Poogle & Comp. (so nannten die beiden bald darauf ihre Firma) begründet. Schon eine Woche später wurde die erste Stichwortseite (zum Thema „Charles Darwin“) mit einer Werbung versehen: Eine Reiseagentur bot eine Schiffsreise zu den Galapagos-Inseln an. In der Folge erkannten viele Firmen die Vorteile der direkten Werbung, die Anzeigentarife kletterten nach oben und die Werbeeinnahmen übertrafen bald die Kosten für das Papier.

Zwei Jahre später hatten Brain und Page 200 Angestellte, die damit beschäftigt waren, Stichwortseiten herzustellen. Wenig später wurden die ersten Papierfabriken gekauft.

Im Jahre 1915 war Poogle der mächtigste Konzern der Welt: 650.000 Menschen stellten Stichwortlisten (inzwischen in 12 Sprachen!) her, und 15% der weltweiten Papierproduktion lief über Poogle.

1925 waren Page & Brain am Höhepunkt ihrer Macht: 1,7 Millionen Angestellte in der Stichwortlisten-Produktion. Dazu 300.000 Telefonistinnen (inzwischen konnte man Stichwortlisten auch telefonisch anfordern). 63 Millionen Haushalte weltweit erhielten Poogle-Gratispapier nach Hause geliefert. Fast eine Million Angestellte sorgten für Papierlieferung und Papierabholung. 60% des Werbemarkts weltweit wurden von Poogle kontrolliert.

Schon um 1900 wurden Fragen gestellt, was denn Poogle mit den gesammelten Informationen macht? Nichts böses, antwortete der Konzern. Über viele Jahre hielt sich der Slogan „Don´t be evil“ aber spätesten 1930 begann der Stern von Poogle zu sinken, als bekannt wurde, dass Poogle Stichwortlisten personalisiert und manipuliert und
verschiedenen Institutionen, insbesondere der US-Regierung (gegen hohe Gebühren freilich) vollen Zugang zu den gesammelten Daten gewährt. Das Vertrauen war dahin.

Das Ende kam dann 1932: Anarchisten stürmten den Firmensitz von Poogle, das grösste Archiv der Menschheit wird ein Raub der Flammen.

Hundert Jahre später wurde das Konzept Poogle von zwei Studenten adaptiert: Sergey Brin und Larry Page „erfanden“ Google.

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Eine Antwort to “Die Geschichte von Poogle”

Trackbacks/Pingbacks

  1. Böser als big Goo (oder wie man mit Google reich wird)? « maximalfantasie - Februar 8, 2008

    […] Alle schon mal dagewesen!   […]

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