„Ein Supermarkt mit vollen Regalen, da soll´n ma jetz a Projektil suchen?“
Friedrich Kutschera, Staatsanwalt, bei einer Pressekonferenz 5.8.2009
Wer ist Opfer, wer Täter?
Sofort nach Bekanntwerden des Vorfalls von Krems läuft die Propaganda-Maschine des Innenminsteriums auf Hochtouren: Die beiden Jugendlichen seien „amtsbekannt“, heisst es. Nähere Angaben dazu werden zunächst keine gemacht.
Während sich die PolizistInnen von ihrem „Schock“ einen ganzen Tag lang erholen durften und „nicht einvernommen werden konnten“ -, wird der 16-Jährige (dem in beide Beine geschossen wurde!) befragt und noch im Krankenhaus verhaftet. Fluchtgefahr? Verdunkelungsgefahr? Einen Tag später fahndet die Polizei nach einem „dritten Täter“. Die Staatsanwaltschaft erklärt, man gehe nicht von einem „dritten Täter“ aus.
Innenministerin Fekter fällt nichts anderes ein als festzuhalten, dass „pro Jahr viele Polizisten im Einsatz schwer verletzt oder getötet werden“, was insofern falsch ist, da sich kaum jemand in Österreich an einen im Einsatz erschossenen Polizisten erinnern kann. Sehr wohl kann man sich in Niederösterreich daran erinnern, dass die Polizei regelmässig Menschen erschiesst:
- Vor einem Jahr wurde in Wetzelsdorf ein Motorradfahrer, der sich einer Verkehrkontrolle entziehen wollte vom Motorrad heruntergeschossen. Die Ermittlungen sind offenbar noch nicht abgeschlossen.
- Wenige Monate zuvor wurde in Schwechat ein Mann erschossen, der sich angeblich als Polizist ausgegeben hat und auf die Beamten losgefahren sein soll. Das Verfahren gegen den Todesschützen wurde eingestellt.
Ende der Glückssträhne.
Diesmal hat die Polizei einen Vierzehnjährigen erschossen, der unbewaffnet nachts mit einem Freund im nahen Merkur einbrechen gespielt hat. Der Vierzehnjährige wurde „von hinten“ erschossen. Zwar sind Supermärkte insbesondere nachts keine geeigneten Spielplätze für Heranwachsende und doch gibt es diesmal einiges an Symphatie für den Erschossenen:
Kinder zünden am Eingang zum Merkur Kerzen an im Gedenken an den Vierzehnjährigen, der einer von ihnen war.
Und plötzlich geht die Glückssträhne der Polizei zu Ende: Diesmal wird es nicht gelingen, den Erschossenen als (rumänischen) Schwerkriminellen oder sonstwie wenig bedauernswerten Zeitgenossen darzustellen, der einfach nur Pech gehabt hat in seinem kriminellen Treiben. Diesmal wird (so ist anzunehmen) die Öffentlichkeit den mit dem Fall befassten Behörden auf die Finger schauen und den Prozess gegen die PolizistInnen genau beobachten und hinschauen, ob diesmal wirklich Recht gesprochen wird.








