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Historische Kriminalfälle : (1983) : Der Fall Lorenz

In kriminalität on Mai 12, 2008 at 3:34

peter d., foto arbeiterzeitung 17.2.1983

Das Foto des 16-jährigen Peter D. auf einer Vespa sitzend und in die Kamera lächelnd ist Teil des Aufmachers der Kronenzeitung vom 17. Februar 1983. Das Foto oben ist vermutlich ein Ausschnitt (ohne Vespa jedenfalls), veröffentlicht in der Arbeiter-Zeitung desselben Tages zusammen mit der Schlagzeile auf Seite 1: Schulkollege heuerte Killer, Doppelmörder war Neonazi.

Es wird berichtet, dass der 16-jährige Peter D. jene beiden, zwei Tage zuvor in der Ungargasse, Wien-Landstrasse tot aufgefundenen Frauen Ursula E. und Sieglinde E. (die Mutter der Ursula) ermordet haben soll. Peter D. sei mit einem Militärkarabiner bewaffnet und gefährlich und ausserdem Mitglied der ANR (Aktion Neue Rechte, rechtsradikale Gruppe der 1970er und 1980er Jahre).

Sämtliche Angaben zum Tathergang stammen zu diesem Zeitpunkt von dem damals 19-jährigen Maturanten Günther Lorenz, der Anstifter und Beteiligter an den Morden gewesen sein will. Er hätte seine ehemalige Mitschülerin (und inzwischen Biologiestudentin) Ursula E. bereits einige Tage zuvor ermorden wollen, hätte es dann aber „nicht fertiggebracht“ und sei Tage später zusammen mit seinem Bekannten Peter D. unter einem Vorwand in die Wohnung der Ursula E. gegangen. Peter D. habe dann zunächst Ursula E. und anschliessend deren Mutter mit einem abgeschnittenen Militärkarabiner erschossen. Die Beute hätten sie wie folgt aufgeteilt: Vom Bargeld in der Höhe von 10.000 Schilling hätte Peter D. 8000 Schilling erhalten. Zu seinen 2000 Schilling hätte er, Lorenz dafür Schallplatten und Parfums aus der Wohnung mitgenommen.

Auf die Spur des Günther Lorenz bringt die Polizei die Aussage einer Familienangehörigen der Opfer: Diese gibt an, Lorenz hätte wenige Tage vor den Morden Ursula E. besucht und sei dabei bewaffnet gewesen.

Ganz Österreich, -wie die Arbeiter-Zeitung einen Tag später kleinlaut bekennt, fahndet 24 Stunden nach einem vermeintlichen Doppelmörder, ehe Günther Lorenz gesteht, nicht nur die Morde an den beiden Frauen alleine begangen zu haben, sondern bereits einige Tage zuvor auch Peter D. ermordet zu haben. Zum Zeitpunkt der Grossfahndung liegt die Leiche des Peter D. bereits seit Tagen vergraben am Ufer des Donaukanals?, den Kopf hatte Lorenz zuvor abgetrennt und separat vergraben um eine Identifizierung zu verunmnöglichen. Peter D. war (wie sich herausstellte) kein Mitglied der ANR und kein Neonazi.

dreifachmöder günther lorenz, foto arbeiterzeitung, 17.2.1983

In der Folge wird die Lebensgeschichte des Dreifachmörders medial breit ausgeschlachtet: Als Fünfjähriger sei er in eine Pflegefamilie gekommen, nachdem seine Mutter immer wieder kriminell geworden sei. Nach dem Tod der Mutter sei er von Wels zu einer Pflegefamilie nach Wien-Liesing gekommen und habe ab der 5. Klasse das Gymnasium Stubenbastei besucht. Dort sei er ein „traumwandlerischer Einzelgänger“ gewesen, der aufgrund seiner „hohen Intelligenz“ bald Klassenbester gewesen sei. Er habe sich besonders für Philosophie interessiert, habe Camus und Sartre gelesen. Viele Artikel rücken ihn in die Nähe des Existenzialismus.

Günther (oder Günter) Lorenz wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Während seiner Haftzeit gibt es sporadisch Berichte, wonach er ein Musterhäftling sei, der sehr viel lese („Ich möchte in der Haft Jus studieren“, Arbeiterzeitung, 19.2.1983) und sich um die Gefängnisbibliothek kümmere.

Am 24.11.2004 bringt NEWS folgende Meldung:

Wien (OTS) – Es muss ein Bild wie aus “Schweigen der Lämmer” gewesen sein. An Händen und Beinen gefesselt wurde der 39jährige Häftling Günter Lorenz – er hatte 1983 drei Menschen ermordet und war zu 20 Jahren Haft verurteilt worden – aus der Vollzugsanstalt Mittersteig in Wien Ende der Vorwoche nach Stein gebracht. Zuvor hatte der bisherige “Musterhäftling” erfahren, dass seine Entlassung durch ein psychiatrisches Gutachten verhindert worden war. Darin ist festgestellt worden, dass bei Lorenz “die Gefahr besteht, dass er auf Grund seiner massiven Persönlichkeitsstörung auch in Hinkunft schwere Straftaten begehen könnte. Die Reaktion schildert ein Justizwachebeamter in NEWS so: “Er fing wild zu schreien an, bedrohte eine Psychologin, zertrümmerte Einrichtungsgegenstände.” Der Häftling konnte erst von insgesamt sieben (!) alarmierten Justizwachebeamte überwältigt werden.

Nach seiner Überstellung in eine Einzelzelle im Hochsichertrakt der Strafanstalt Krems-Stein trat Günter Lorenz nach Angaben seines Anwalts aus Protest gegen die Überstellung in einen unbegrenzten “Hunger- und Durststreik”.

 

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